Wandern Elbsandsteingebirge: Auf dem Malerweg der Romantik auf der Spur

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Elbsandsteingebirge Wandern

Wandern im Elbsandsteingebirge (c) Tourismusverband Elbsandsteingebirge

Höhepunkte für Wanderromantiker

Elbsandsteingebirge Wandern: Geheimnisvolle Melancholie

Malend, dichtend, komponierend haben die Künstler der Romantik das Elbsandsteingebirge einst weltberühmt gemacht. Heute führen 112 zauberhafte Wanderkilometer als „Malerweg“ zu ihren Lieblingsorten. Es ist einer der schönsten und beliebtesten Wanderwege Deutschlands. „Ich muss allein bleiben und wissen, dass ich allein bin, um die Natur vollständig zu schauen und zu fühlen“, schrieb einer der berühmtesten Vertreter der Deutschen Romantik vor über 200 Jahren in sein Tagebuch. Caspar David Friedrich liebte das Elbsandsteingebirge – und er verewigte es in unzähligen Zeichnungen und Aquarellen sowie mehreren Gemälden. Darunter das wohl berühmteste Bild seiner Epoche: „Der Wanderer über dem Nebelmeer“. Es zeigt einen Mann, der einsam, versunken ein Panorama aus nebelumwölkten Gipfeln betrachtet. Vermutlich hat sich Friedrich hier selbst porträtiert – als Landschafts-Connaisseur im stillen Dialog mit der sächsisch-böhmischen Felsenwelt. Wie ernst Friedrich diesen Dialog nahm, notierte er ebenfalls: „Einmal wohnte ich eine ganze Woche im Uttewalder Grund zwischen Felsen und Tannen. In dieser Zeit traf ich keinen einzigen Menschen. Ich muss sagen, das war schon fast zu viel für mich.“

Eine ideale Route zu den malerischsten Punkten der Sächsischen Schweiz – Wandern Elbsandsteingebirge

Heute würde das dem Maler nicht mehr passieren. Er und seine Zeitgenossen haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Sächsische Schweiz als Reiseziel bekannt wurde. Immer mehr Künstler kamen zum Naturstudium in die Region. Die Dresdner Kunstakademie war nicht weit entfernt. Aus zuvor unbekannten Landschaften wurden bald Lieblingsmotive – und die Wege aus Dresden verschmolzen zu einer idealen Route. Wer ihr folgte, gelangte zu den malerischsten Punkten der Sächsischen Schweiz. Auch der Uttewalder Grund mit seinem sagenumwobenen Felsentor zählte dazu. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke geriet die Route in Vergessenheit. Erst im 21. Jahrhundert wurde sie wiederentdeckt. 2006 wurde der Malerweg Elbsandsteingebirge als 112 Kilometer langer Rundweg mit acht Tagesetappen eröffnet und schon ein Jahr später als „Schönster Wanderweg Deutschlands“ prämiert. Der Zauber der urwüchsigen Felsenwelt, den schon Friedrich spürte, wirkt noch immer beim Elbsandsteingebirge Wandern.

Wandern Elbsandsteingebirge: Verzaubertes Felsenreich und romantischer Blick auf die Elbe

„Schön ist besonders die Aussicht, die man unten an der Elbe hat. Gegen Morgen zu ist die hohe Felswand, die sich von Wehlen bis Rathen hinzieht, auffallend. Man sieht hier die Felsspitzen von unten, die man eben jetzt besteigen will“, schrieb Pastor Carl Heinrich Nicolai 1801 in einem ersten Reiseführer über die Sächsische Schweiz. Seine Beschreibungen waren es, die die Landschaft als Reiseziel ins Gespräch brachten. Als Motiv entdeckt und mit einem Namen versehen wurde sie bereits wesentlich früher: Der Hofmaler Alexander Thiele hält 1726 eine Ansicht der Festung Königstein fest. 40 Jahre später zieht es die Schweizer Maler Adrian Zingg und Anton Graff in die Gegend, von deren Schönheit sie sofort ergriffen werden. Ihnen verdankt die Region vermutlich ihre Bezeichnung „Sächsische Schweiz“, da sie sich an ihre Heimat erinnert fühlen. Die Reisenotizen und Ansichten inspirieren weitere Künstler. So entstehen im Laufe der Jahre unzählige Kupferstiche, Ölgemälde und Aquarelle. Auch Dichter folgen dem Ruf der Natur und Komponisten beginnen, die Melodie der Landschaft zu suchen. Hans Christian Andersen begeistert sich für die „geheimnisvolle Melancholie“ des Felsenreichs. Richard Wagner lässt sich hier für den Lohengrin inspirieren und Carl Maria von Webers Librettist zur Wolfsschluchtszene im Freischütz. Auch William Turner und Mary Shelley besuchen die als Idealtypus einer romantischen Landschaft verehrte Region. 1812 entsteht auf der Bastei die erste reguläre Bergwirtschaft für die Schweizreisenden. Fleischer und Müller finden auch andernorts im Imbissangebot für Wanderer einen lukrativen Zuverdienst. Die Erschließung der Gegend für Ausflügler und Sommerfrischler beginnt. Neue Wege entstehen, Aufstiege zu den Gipfeln werden ausgebaut, Steinbrücken angelegt. Aus einfachen Rindenhütten werden feste Wirtshäuser. Die Entwicklung schreitet rasch voran, als 1851 eine Eisenbahnstrecke eröffnet wird und es nun noch schneller von Dresden in die wildromantische Natur geht. Der Malerweg jedoch gerät dadurch – nur ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen Nicolais Reiseführers – in Vergessenheit.

Wandern Elbsandsteingebirge: Der heutige Malerweg umfasst 112 Kilometer Wandervergnügen

Über einhundert Jahre dauert der Dornröschenschlaf des Malerweges. Bis ihn in den 1960er Jahren der Maler Johannes Georgi anhand der Kunstwerke der Romantiker wiederentdeckt und als „Malerstraße“ bezeichnet. 1990 wird diese Wegeführung in „Malerweg“ umbenannt. 2005 greifen Tourismusverband und Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz das Projekt wieder auf. Der historische Wegeverlauf wird heutigen Gegebenheiten und Wandergewohnheiten angepasst und ausgeschildert. Karten, Informationstafeln, eine Website und eine Broschüre entstehen. Als Novum kommt der linkselbische Teil hinzu: Während der Malerweg einst am Prebischtor endete, führt die heutige Tour in Schmilka, kurz vor der böhmischen Grenze, über den Fluss und auf der linken Elbseite wieder zurück nach Pirna. So wird Wandern im Elbsandsteingebirge zu einem noch schönerem Erlebnis:  Malerweg-Wanderer können nun nicht mehr nur tiefe Gründe und imposante Felsenketten, sondern auch majestätische Tafelberge erkunden. 2006 wird der „Malerweg Elbsandsteingebirge“, so die offizielle Bezeichnung, mit geschlossener Ausschilderung als 112 Kilometer langer Rund- und Fernwanderweg quer durch die Sächsische Schweiz eingeweiht. Wanderer folgen seither dem markanten geschwungenen „M“, und gelangen von einem Naturerlebnis zum nächsten. Schautafeln am Wegesrand lassen die Motive erkennen und die Kunstwerke mit der Wirklichkeit vergleichen.

Wanderfreundlich am Malerweg: Wandern Elbsandsteingebirge

Der gesamte Weg ist in acht leichte bis anspruchsvolle Tagesetappen unterteilt, die alle unabhängig voneinander, in beliebiger Richtung gegangen werden können und alle Elbsandsteingebirge Sehenswürdigkeiten enthalten. Wer mag, ordnet sich die Anfangs- und Endpunkte einfach neu, fährt ein Stück auf dem Elberadweg oder mit dem Dampfschiff und biegt später wieder zu Fuß auf den Malerweg ab. An Rastmöglichkeiten und Unterkünften mangelt es nicht. Zu empfehlen ist, bei der Wahl der Gastgeber auf das Siegel „Wanderfreundlich am Malerweg“ zu achten. Hier ist man beim Wandern im Elbsandsteingebirge gut aufgehoben, erhält Informationen zu Elbsandsteingebirge Sehenswürdigkeiten und Kartenmaterial, einen Etappen-Stempel für den Wanderpass und die begehrte Sammel-Postkarte.

Video Wandern Elbsandsteingebirge – Ein Kurzrundgang auf dem romantischen Malerweg

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Bilder Wandern Elbsandsteingebirge: Eindrücke des 112 Kilometer langen Malerweges

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Wer auf Schusters Rappen das Elbsandsteingebirge in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz erkunden möchte, findet hier zahlreiche gut ausgebaute und ausgeschilderte Weg zum wandern. Leichte Strecken mit wenig Steigungen oder Wanderrouten mit kleinen Klettereinlagen - für jeden ist etwas dabei und zu entdecken gibt es jede Menge. Die Nationalparkbehörde hat eine Informationspflicht gegenüber den Einwohnern und Gästen der Region. Deshalb bieten die Nationalparkranger geführte Wanderungen und informative Führungen zu den unterschiedlichsten Themen an.

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