Im Dienste der Berge: Interview mit Hans Rindler, Wegewart in Osttirol

2
Wegewart Hans Rindler in den Lienzer Dolomiten

Wegewart Hans Rindler in den Lienzer Dolomiten

Im Dienste der Berge: Interview mit Hans Rindler, Wegewart in Osttirol

Hans Rindler haben wir auf unserer Reise durch Osttirol in den Lienzer Bergen kennen und schätzen gelernt. Während unser drei Tage in den Lienzer Dolomiten haben wir mehrere wunderschöne Bergtouren und Klettersteige gemeinsam mit Hans gemeinsam begangen. Hauptberuflich ist er offiziell “Wegearbeiter” in der Region Lienz und damit zuständig für den Erhalt zahlreicher Steige, Klettersteige, Wander- und Forstwege. In langen Gesprächen waren wir fasziniert von der Arbeit von Hans und wer im Hintergrund für uns Wanderer und Kletterer am Werke ist. Heute wandere ich anders durch die Berge, entsorge selbst Steine, schaue mir Steige und die gemachten Stufen oder gereinigten Waldwege anders an, weil mir klar geworden ist, das so viel Arbeit hinter der Pflege der Wege steckt. Anlass für uns, ein kurzes Interview mit Hans zu führen und mit ihm ein paar Fragen zum diesem Thema zu erörtern.

Steige, Wanderwege, Klettersteige. Viele Wanderer und Bergsteiger nutzen wie selbstverständlich die angelegten Wege und machen sich oft wenig Gedanken, wie die Wartung oder Pflege der Wege im Gebirge aussieht. Wie sieht dein Arbeitstag in den Bergen aus?

Die Arbeitszeit beginnt bei uns normalerweise um 7 Uhr. Da wir aber Zustiegszeiten zu unseren Arbeitsstellen haben, die bis zu drei Stunden betragen, beginnen wir an diesen Tagen um 5 Uhr. Oft verlängern wir die Arbeitszeit im Sommer auch bis 19 Uhr, um die Auf- und Abstiegszeiten richtig auszunützen.  Das Arbeitsgebiet von uns zwei Wegarbeitern erstreckt sich vom Lienzer Talboden über die Lienzer Dolomiten den Hochstein in die Schobergruppe.

Dein Arbeitsplatz liegt oft über 2.000 Metern. Viele Urlauber sind es gewohnt, mit der Bahn oder dem Auto zur Arbeit zu kommen. Wie schaut in der Regel deine Anreise zum “Einsatz” aus?

Da in unserem Arbeitsgebiet mehr als 50 Prozent der von uns zu betreuenden Wege und Steige zwischen 2.000 und 3.200 Metern liegt,  fahren wir soweit wie möglich mit dem Allradauto des TVB.  Danach ist dann Fußmarsch angesagt. Bei der ersten Kontrolle des Jahres sind Wasserausleitungen freizumachen unsere Hauptaufgabe.

Dein Arbeits- und Instandhaltungsmaterial muss ja irgendwie auf den Berg gelangen. Wie kann man sich das konkret vorstellen? Was brauchst du alles im Berg, wie bekommt man alles in diese Höhe transportiert?

Arbeits – und Instandhaltungsmaterial  wird größtenteils von uns hinaufgetragen. Bei größeren Sanierungen von Steigabschnitten wird das schwere Material mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen.
Unwetter, Blitze, harte Winter. Was zieht am meisten Arbeit durch die “Zerstörung” durch die Natur nach sich?

Die großen Reparaturarbeiten an Steigen und Wegen fallen nach Starkniederschlägen mit Hagelschlag an. Auch dem Rückgang des Permafrostes in höheren Lagen macht uns Steinschlag in den letzten Jahren mehr Arbeit.
Gibt es etwas, was Bergsteiger, Kletterer oder Wanderer beachten können, um möglichst “wegeschonend” im Berg unterwegs zu sein?

Wir als Wegarbeiter appellieren an die Wanderer und Bergsteiger auf den markierten Wegen zu bleiben und keine Abkürzungen zu gehen.
Jemand der 10-12 Stunden pro Tag im Berg unterwegs ist, muss sich mit Wetter, Sicherungen und Bergsteigen auskennen. Wie hast du zu deinem Beruf gefunden?

Ich habe schon vorher viele Jahre  freiwillig Steige repariert (an Wochenenden), und bin dadurch zum ehrenamtlichen Wegewart der Alpenvereins, Sektion Lienz geworden.  Zu diesem Beruf bin ich gekommen, da der Tourismusverband  Lienzer Dolomiten vor 8 Jahren  Wegarbeiter suchte.

Hans, was machst du, wenn du nicht gerade beruflich in die Berge musst?

Ich habe zuhause eine liebe Frau, ein kleines Haus mit kleinem Garten, und nebenbei bin ich ein begeisterter Radrennfahrer. Ich habe unter anderem mit meinem Partner Alois Sinzinger in der “Masterklasse” den Rennrad Transalp  gewonnen. Auch die Luxenburg  Masterrundfahrt.

Im Dienste der Berge: Interview mit Hans Rindler, Wegewart in Osttirol: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4,50 von 5 Punkten, basierend auf 2 abgegebenen Stimmen.
Weitersagen:

2 Kommentare

  1. Schönes Interview mit dem Hans,

    wir sind neulich selbst mit ihm auf einer schönen Skitour unterwegs gewesen und da hat er uns viel über seine Arbeit erzählt. Ich finde es ja unglaublich, dass er nur einen Kollegen hat und die beiden für so ein riesiges Gebiet zuständig sind.

    Ein Klasse-Typ und hellauf begeistert von seiner Arbeit. (Hat mir am Handy auch gleich ganz euphorisch Fotos und Videos von seinen Helikopterflügen der Bergwacht gezeigt) 🙂

    Diese Tour sind wir gegangen: http://www.outdooractive.com/de/skitour/osttirol/skitour-von-der-dolomitenhuette-aufs-auerlingkoepfl/9405682/

    • Hallo, ja, Hans ist ein ganz besonderer Mensch – mit so vielen Geschichten die er zu erzählen hat. Gut zu hören, das es ihm gut geht. Ein paar Bilder dürften wir auch kennen – das mit den hochstehenden Haaren bei einem Gewitter im Berg ist schon sehr beeindruckend. BTW: Schöne Tour von der Dolomitenhütte seid ihr da gegangen. LG, Felix

Kommentare

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.