Das Ü und Berge immer Blick – seit 2014 führt eine neue Tour vom Tegernsee bis nach Sterzing

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Schleigeis Speicher Zillertal

Ein Blick zurück vom Schlegeisspeicher (c) Julia Klockow

Alpenüberquerung Light – von Gmund am Tegernsee über Achensee und Zillertal nach Sterzing

Die Überquerung der Alpen reizt so manchen Wanderer. Seit 2014 gibt es eine neue lohnende Alternative zu den bekanntesten und konditionell anspruchsvollen Fernwanderwegen E5 von Oberstdorf nach Meran oder der Strecke von München – Venedig – „die Alpenüberquerung“. Die Tour führt auf leichten bis mittelschweren Wegen von Gmund am Tegernsee über den Achensee und das Zillertal in die nördlichste Stadt Italiens, nach Sterzing in Südtirol.

Landschaftlich erweist sich der Weg als äußerst reizvoll und führt durch die abwechslungsreiche Bergwelt in Deutschland, Österreich und Südtirol. Zu den Highlights gehören die malerische Landschaft am Tegernsee, der Achensee mit seiner schroffen Bergkulisse und kristallklarem Wasser, das hochalpine Zillertal mit dem Pfitscherjoch und Gipfeln über 3.000 Metern sowie das ursprüngliche Pfitschtal in Südtirol. Ebenso wie die Landschaft verändern sich Kulinarik und der kulturelle Hintergrund der Menschen, denen man auf dem Weg begegnet. Übernachtet wird in den Ortschaften entlang der Strecke. Hierzu stehen Gasthöfe, Hotels und Pensionen aller Kategorien zur Verfügung. Die Tour kann selbst organisiert oder wie unten beschrieben als organisiertes Paket in drei Varianten gebucht werden.

Alpenüberquerung zu Fuß (c) Julia Klockow

Alpenüberquerung zu Fuß (c) Julia Klockow

Initiator der Tour war Georg Pawlata. Der Tiroler Bergführer und Geograph erkannte die Möglichkeit, die vier Tourismusregionen miteinander zu verbinden. Er holte seinen langjährigen Freund, den Betriebswirt Matthias Hofmann, als Projektmanager an Bord und los ging es. „Es ist schön ein Projekt ins Leben zu rufen, welches so viele verschiedene Regionen miteinander verbindet und zu sehen, dass es angenommen wird. Wir eröffnen Aktivurlaubern damit einen Weg, der zu Fuß über die Alpen führt und verhältnismäßig leicht für jeden gesunden und durchschnittlich trainierten Menschen, zu bewältigen ist. Dennoch macht der Weg keine Abstriche hinsichtlich der vielfältigen wildromantischen Berglandschaften. Man sollte sich jedoch bewusst machen, dass der Weg auch durch alpines Gelände führt. Daher ist es wichtig, sich nur gut ausgerüstet auf den Weg zu begeben und den aktuellen Wetterbericht im Auge zu behalten, so Georg.“

Alpenüberquerung – die Highlights

Der Weg führt in sieben Tagesetappen auf leichten bis mittelschweren Wegen über den Alpenhauptkamm und ist von Mitte Juni bis Anfang Oktober begehbar. Einige der Kilometer werden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Insgesamt überwinden die Wanderer 110 km, 3300 Höhenmeter aufwärts und 3600 Höhenmeter abwärts zu Fuß. Der Weg ist bestens beschildert. Man folgt den mit einem „Ü“ markierten Wanderschildern. In Bayern und Tirol sind es neue gelbe Metallwegweiser und ab Italien folgt man den Holzschildern mit rot-weißer Markierung, die zusätzlich mit dem „Ü“ markiert sind.

Alpenüberquerung Wandern zu Fuß

Wandern über die Alpen – für Jedermann (c) Julia Klockow

Die Überquerung des Alpenhauptkamms erfolgt am Pfitscherjoch auf 2.275m. Kurz vorher überschreitet man die Landesgrenze zu Italien. Geologisch interessant und gleichzeitig funkelnd schön ist der Glimmerschiefer, der hier den Weg säumt. Überall wo man tritt, glimmert es. Auch die Faltung der Felsformationen ist selten so zu sehen, sie steht nahezu senkrecht empor. Das Pfitscherjochhaus ist direkt am Joch gelegen. Hier macht sich kulinarisch sofort das Südtiroler

Flair bemerkbar. Die Spaghetti Caprese schmecken nicht nach „Hüttenfraß“ sondern nach Italien – unglaublich lecker. Seit 1888 wird die Schutzhütte bereits in fünfter Generation als Familienbetrieb geführt, heute von der Familie Leopold Volgger. Wer lieber weiter oben nächtigt oder das umliegende hochalpine Gelände erkunden möchte kann sich also auch hier betten. Alpine Touren bieten sich zum Beispiel auf die Grabspitze (3.059m) oder zur Hohen Wand (3.289m) an. Vom Pfitscherjoch hat man auch die Möglichkeit auf den Fernwanderweg München – Venedig abzubiegen, die einen deutlich anspruchsvolleren, alpinen Charakter hat.

 

Wandern über die Alpen

Die Natur genießen – in 7 Etappen über die Alpen wandern (c) Julia Klockow

Der Abstieg ins Pfitschtal zum Örtchen St. Jakob ist besonders ursprünglich und ruhig. Hier ist das 3-Sterne-Hotel Kranebitten zu empfehlen. Das Wirtsehepaar Rosi und Fredi sind mit Herz bei der Arbeit und verkörpern die Südtiroler Gastfreundschaft, wie man sie leider nicht immer findet. In Sterzing angekommen kann man die kulinarischen und kulturellen Annehmlichkeiten der gemütlichen Handelsstadt genießen. Der Sage nach siedelte ein Einsiedler, der „Sterzl“, um das Jahr 1000 n. Chr. in der Gegend. Die Stadt verdankt ihm seinen Namen.

 

Sterzing Wandern

Sterzing in Süditrol – Etappenziel und Endpunkt der Alpenüberquerung (c) Julia Klockow

Die Sterzinger Knödelspeisen sollte man sich nach den Strapazen nicht entgehen lassen. Denn auch wenn wir uns auf der Alpenüberquerung Light bewegt haben, spürt man es nun doch deutlich in den Waden. Hervorragend sind zum Beispiel die „Tris“, eine Auswahl an dreierlei Knödeln, im Restaurant des Hotels Lamm. Es lohnt sich auch die Ankunft so zu planen, dass man rechtzeitig zum Sterzinger Knödelfest am 11. September 2016 ankommt. Auf einer Tischreihe von 400 Metern Länge werden dabei in der Sterzinger Neu- und Altstadt sowie am Stadtplatz ca. 70 verschiedene Knödelgerichte serviert: traditionelle Speckknödel, Serviettenknödel sowie Schwarzbrotknödel und süße Knödel in verschiedenen Variationen stehen auf der Speisekarte.

„Man muss einfach nehmen, was da ist. Wir pflegen einen authentischen und nachhaltigen Tourismus. So manch einer versucht touristische Angebote aus dem Boden zu stampfen. Das ist definitiv nicht unsere Philosophie“, so Josef Turin, seit über 30 Jahren Direktor des Tourismusvereins Sterzing.

 

Die Alpenüberquerung

Initiator der Alpenüberquerung Georg Pawlata und Josef Turin (v.l.n.r.) Tourismusdirektor Sterzing mit den leckeren Tris (c) Julia Klockow

Die Alpenüberquerung – im Überblick

Empfehlenswert ist auch die KOMPASS Faltkarte 2556 im praktischen Format. Dort sind alle Etappen beschrieben sowie Kartenmaterial und nützliche Tipps enthalten.

Etappe 1: Gmund am Tegernsee – Wildbad Kreuth

Die Einstimmungsetappe zur Alpenüberquerung führt von Gmund am nördlichen Seeufer entlang des Tegernseer Höhenwegs knapp 100 Meter oberhalb des Sees nach Tegernsee. Dabei hat man immer wieder traumhafte Ausblicke. Nach dem obligatorischen Besuch des Brauhauses fährt man mit der einzigartigen Ruderfähre nach Rottach-Egern. Der weitere Weg folgt einem naturnahen Steig entlang der Weißach bis zum Wildbad Kreuth. Diese Etappe auf leichten Wegen kann man variabel zwischen Tegernsee und dem Wildbad beenden.
Distanz: 6 – 22 km. Höhenmeter aufwärts: max. 250. Höhenmeter abwärts: max. 180. Höchster Punkt: 820 m. Gehzeit: variabel

Etappe 2: Wildbad Kreuth – Achenkirch

Vom historischen Wildbad Kreuth führt ein Steig durch einen Buchenmischwald ins Almgelände der Gaisalm. Entlang eines sanften Bergrückens und später durch Latschen erreicht man den Bayerisch-Tiroler Grenzkamm. Hier öffnen sich wunderbare Ausblicke in beide Richtungen, von der Ebene nördlich des Tegernsees bis zu den Zillertaler Alpen. Nach der Einkehr auf der urigen Blaubergalm wandert man durch das Jagdgebiet der habsburgischen Kaiser nach Achenwald bzw. Achenkirch.
Distanz: 17 km. Höhenmeter aufwärts: 850. Höhenmeter abwärts: 800. Höchster Punkt: 1.560 m. Gehzeit: 5 ¾ h

Etappe 3: Achenkirch – Maurach am Achensee

Die Tour führt auf einem der schönsten Wege Tirols entlang des Westufers des Achensees. Von Achenkirch wandert man immer in leichtem Auf und Ab auf einem sehr gut ausgebauten Steig zur Gaisalm, der einzigen Alm Tirols, die man nur zu Fuss oder mit dem Schiff erreicht. Hier wartet eine grandiose Landschaft mit kleinen Wasserfällen, Mischwäldern und Schwemmkegeln, die bis in den „Tiroler Fjord“ hineinreichen. An vielen Stellen gibt es Bademöglichkeiten. Entlang des Uferwegs erreicht man Pertisau und später am Weg neben der Achensee Dampf-Zahnradbahn das Etappenziel Maurach.
Distanz: 13,5 km. Höhenmeter aufwärts: 200. Höhenmeter abwärts: 200. Höchster Punkt: 1.000 m. Gehzeit: 4 h

Etappe 4: Maurach am Achensee – Hochfügen

Nach der Fahrt mit Bus oder Achensee Dampf-Zahnradbahn und Zillertalbahn erreicht man nach einem Spaziergang durch das Dorf Fügen die Bergbahn auf das Spieljoch. Hier eröffnen sich majestätische Ausblicke auf die Bergwelt des Zillertals, das Karwendel, Rofangebirge und den Wilden Kaiser. Zwischen jahrhundertealten Zirbenbäumen, Almrosen und Granitsteinen beginnt die Wanderung entlang eines traumhaften Steigs über die Gartlalm zum Loassattel. Auf einem gemütlichen Weg wandert man das letzte Stück in den bekannten Wintersportort Hochfügen.
Distanz: 13 km. Höhenmeter aufwärts: 450. Höhenmeter abwärts: 750. Höchster Punkt: 2.040 m. Gehzeit: 3 ¾ h

Etappe 5: Hochfügen – Mayrhofen

Der Tag führt durch historische Almdörfer, wie es sie nur im Zillertal gibt. Vorbei an vom Gletscher geschliffene Felsen wandert man auf das Sidanjoch und zur nahen Rastkogelhütte. Danach wartet noch ein kurzer Aufstieg auf den Mitterwandskopf, ehe der wunderschöne Steig vorbei an eiszeitlichen Lacken entlang eines Bergrückens zum Melchboden an der Zillertaler Höhenstraße führt. Knieschonend wählt man statt des weiten und steilen Abstiegs den Linienbus hinab ins Tal.
Distanz: 11 km. Höhenmeter aufwärts: 900. Höhenmeter abwärts: 400. Höchster Punkt: 2.280 m. Gehzeit: 4 ¾ h

Etappe 6: Mayrhofen – Schlegeis – St. Jakob bzw. Kematen im Pfitschtal

An diesem Tag wird der Alpenhauptkamm überschritten. Von Mayrhofen geht es per Linienbus zum Schlegeis Speichersee auf 1.800 Meter. Hier öffnet sich ein Traumblick über den hellblauen See und zu den mächtigen Gletschern dahinter. Der Anstieg zum Pfitscherjoch führt über einen komfortablen Steig vorbei an Wasserfällen und entlang des mäandernden Bachs. Kurz hinter der italienischen Grenze liegt das Pfitscherjochhaus auf 2.275 Meter. Über sanfte Almwiesen und einen Mischwald wandert man hinab zum Talboden des Pfitschtals. Auf einem leicht erhöhten Wiesenweg erreicht man St. Jakob.
Distanz: 13 bis 18 km. Höhenmeter aufwärts: 500. Höhenmeter abwärts: 850. Höchster Punkt: 2.275 m. Gehzeit: 4 ½ bis 5 ¾ h

Etappe 7: St. Jakob bzw. Kematen im Pfitschtal – Sterzing

Eine Etappe mit wenig Höhenmetern, aber vielen Höhepunkten zum Ende der Alpenüberquerung: Der malerische breite Talboden mit urigen Bauernhäusern, typische Südtiroler Steinkirchen, und zum Abschluss das gotische Ortszentrum von Sterzing. Die Wege sind meist leicht, an ganz kurzen Stellen auch mittelschwierig. Mit dem regelmäßig verkehrenden Bus kann man die Strecke auch beliebig abkürzen.
Distanz: 15 bis 20 km. Höhenmeter aufwärts: 150. Höhenmeter abwärts: 650. Höchster Punkt: 1.460 m. Gehzeit: 4 ½ bis 5 ¾ h

Drei Pakete – individuell oder als geführte Gruppenwanderung

Um es den Alpenüberquerern noch angenehmer zu gestalten können auf der Internetseite www.die-alpenueberquerung.com drei verschiedene Pakete gebucht werden, die zum Beispiel den Gepäcktransport übernehmen. Die verschiedenen Pakete enthalten unter anderem auch komfortable Unterkünfte im Tal oder können als geführte Tour mit Guide gebucht werden.

Flexibel und Gemütlich

Man wählt den Tag der Anreise frei aus und bucht sieben Nächte mit Frühstück in ausgesuchten 3- und 4-Sterne-Hotels, Pensionen und Gasthöfen entlang des Weges. Man hat die Möglichkeit, an jedem Etappenziel weitere Übernachtungen zu buchen. Gewandert wird individuell.

Komfortabel ohne Gepäck

Ideal für alle, die gerne ohne schweren Rucksack wandern wollen. Es beinhaltet neben sieben Übernachtungen mit sechsmal Halbpension und einmal nur Frühstück in ausgesuchten 3- und 4-Sterne-Hotels und Gasthöfen, den täglichen Gepäcktransport zum nächsten Übernachtungsort sowie die Rückfahrt von Sterzing nach Tegernsee. Auch hier wandert man individuell.

Geführte Wanderungen über die Alpen

Mit geprüften Bergwanderführern wandern die Teilnehmer in Gruppen von acht bis 15 Teilnehmern. Die Bergwanderführer vermitteln entlang des Weges viel Wissenswertes über Natur und Kultur. Unterbringung erfolgt in 3- und 4-Sterne-Hotels mit sechsmal Halbpension und einmal nur Frühstück. Der tägliche Gepäcktransport, der Rücktransport von Sterzing an den Tegernsee sowie die Bus-, Taxi- und Seilbahnentgelte sind im Preis inbegriffen. Weitere Infos findet ihr auf www.die-alpenueberquerung.com/.

Video Alpenüberquerung zu Fuß

Bilder Alpenüberquerung zu Fuß

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Alpenüberquerung zu Fuß - alle Wege führen nach Rom. Und viele Wege führen (dabei) über die Alpen. Seit 2014 führt eine neue Tour vom Tegernsee bis nach Sterzing. Zu Fuß und relativ bequem. Ein Reisebericht von Julia Klockow.

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