Trekking in Ecuador: Der Lloa – Mindo Trail

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Die Feuerstelle der Arbeiterhütte: Abendessen im Nebelwald bei Mindo

Die Feuerstelle der Arbeiterhütte: Abendessen im Nebelwald bei Mindo

Ecuador Reisen: Der Lloa – Mindo Trail

Trekking durch den Regen- und Nebelwald des Naturschutzgebietes Nambillo Mindo

Ecuador verfügt über eine der wohl markantesten Bergkulissen Südamerikas. Die Tropensonne schenkt dem Land den Reiz des ewigen Frühlings und schafft eine überaus abwechslungsreiche Fauna und Flora bis weit über 4.000 Meter Höhe. Ideales Terrain für eine zweitägige Trekking-Tour durch den Regen- und Nebelwald Ecuadors. Die Tour startet unterhalb der Hänge des Vulkans Pichincha bis zu der, nicht nur bei Vogelliebhabern beliebten, Ortschaft Mindo. Unterwegs bietet der stetig bergab führende Trail traumhafte Aussichten auf Wasserfälle, bunte Orchideen-Felder und vor allem Vögeln verschiedener Art. Die Region um Mindo steht unter Naturschutz und bietet über 250 verschiedenen Vogelarten eine Heimat. Auf dem zweitägigem Trail legt man circa 48 Kilometer zurück und passiert verschiedene Klimazonen, von der baumlosen Hochebene “Paramo“, über subtropische Wälder bis hin zum tropischen Amazonas Regenwald.

Dank der milden Temperaturen zwischen 14 und 22 Grad Celcius ist der Wald ein Paradies für Bromelien, Orchideen und Moose und gleicht mit seinem dicken, von den Bäumen herabhängenden Bewuchs, einem geheimnisvollen Märchenwald. Neben der faszinierenden Flora ist dieses Waldgebiet aber auch ein Eldorado für Vogelliebhaber: Tukane, Tangaras, Nonnenvögel und unzählige Kolibris sind nur einige der 263 bis heute erfassten Vogelarten.

 

Trekking Ecuador - kreative Lösungen sind gefragt, will man trockenen Fußes über die Wasserläufe und Flüsse gelangen

Trekking Ecuador – kreative Lösungen sind gefragt, will man trockenen Fußes über die Wasserläufe und Flüsse gelangen

Tag 1: Vom Fuße des Pichincha bis zur Hacienda de Mosquitos

Der frühe Treffpunkt im Hotel in Quito ist dank Jetlag kein Problem. Pünktlich um 6.00 Uhr früh fährt ein Jeep vor dem Hoteleingang vor und Marco, der Guide für die nächsten beiden Tage, begrüßt mich in der Lobby des Hotels. Nach kurzem Check der Ausrüstung machen wir uns auf den Weg in die westlich von Quito gelegen Region Pichincha. Der Vulkan ist 1999 zum letzten Mal ausgebrochen, dank der Frühwarnungen wurde das Gebiet weiträumig evakuiert und es gab außer den Schäden, die die Aschewolke angerichtet hat, keine Opfer oder nennenswerten Verletzten zu beklagen. Der Verkehr in Quito ist selbst um diese Tageszeit beachtlich. Wir schieben uns über kleine Ausfallsstrassen durch die in einem langgezogenen Talkessel gelegene Hauptstadt Ecuadors durch den Verkehr gen Westen. Mit im Jeep ist Carlos, der jüngeren Bruder von Marco, der in den kommenden zwei Tagen mit uns unterwegs sein wird. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir die Hänge und Ausläufer des Pichincha. Hätte Marco nicht erwähnt, das hier vor gut 15 Jahren ein Vulkanausbruch die Landschaft verwüstet hätte – gemerkt hätte ich es nicht. Erst im Laufe der zweit Tage werden wir noch einen Naben sehen, die die Schlamm und Gerölllawinen in den Regenwald geschlagen haben.

 

Immer wieder gibt es Bäche und Flussläufe zu überqueren - nicht jeder ist so gut "ausgebaut"

Immer wieder gibt es Bäche und Flussläufe zu überqueren – nicht jeder ist so gut “ausgebaut”

Gut zwei Stunden nach Abfahrt biegen wir auf den Beginn des Trails ein. Der Weg ist hier oben noch mit dem 4×4 Antriebs des Jeeps gut befahrbar. Ziel ist es, soweit wie möglich in den Regenwald einzudringen und Wegstrecke für den ersten Tag zu sparen. Von Kilometer zu Kilometer verengt sich die Weg bis Marco an der letzt möglichen Wendestelle einparkt. Wir machen uns zu dritt auf den Weg auf die 48 Kilometer nach Mindo. Auf circa 2.500 Metern Höhe ist die Vegetation geprägt von dichtem Regenwald aber angenehmen milden Temperaturen. Der Weg ist auf den ersten Stunden ein breiter Forstweg, ideal zum Einlaufen und innerlichem Akklimatisieren für die kommenden zwei Tage. Vereinzelt treffen wir Bauern oder Waldarbeiter, die sich neugierig nach unserem Ziel der Reise erkunden. Die Natur und Vegetation sind atemberaubend. Immer wieder fliegen Tucane und wilde Papageien aus den Baumgipfeln empor, unbekannte Vogelarten erklärt und deutet Marco mit seinem Vogelkundebuch. Gut zwei Stunden nach Start der Tour gilt es die ersten Bach- und Flussläufe zu überqueren (sogenannte Tarabitas). Mal balanciert man auf über den Fluss gelegten Holzbalken, mal bahnt man sich den Weg auf Steinen durch den Flusslauf oder setzt sich in eine Art Seilwinde, die dann über den Fluss gezogen werden muss. Im Laufe des Tages nehmen die zu passierenden Flussläufe zu. Immer wieder knobeln wir die beste Route aus, jeder hat so seine eigene Strategie, trockenen Fußes über das Wasser zu gelangen. Die Vegetation verändert sich samt zunehmender Feuchtigkeit von Stunde zu Stunde. Zum Start noch deutlichen Regenwald-Charakter, finden wir gegen Mittag bereits eine feuchtere und grüner Pflanzenwelt vor.

Die Zielstellungen für die kommenden Stunden bis zum heutigen Etappenziel erklärt Marco bei einer kurzen Trinkpause. Vor dem großen Regen unser “Hacienda” und Nachtlager zu erreichen und möglichst zügig über den nun schmalen Pfad bedeckenden Wasserflächen zu überwinden. Spätestens hier verstand ich, warum die beiden Guides Gummistiefel einem gewöhnlichem Trekkingschuh vorgezogen haben. An manchen Stellen gilt es, sich in den Regenwald zu schlagen, Notbrücken zu bauen oder einen kreative Lösung zu finden. Mein Trekkingschuh mag zwar bequeme sein, aber der Gummistiefel ist hier deutlich überlegen. Einziger Trost am Ende des Tages wird sein, das kein Schuh dem Wasser standgehalten hat.

 

Der Lloa Mindo Trail in Ecuador: Trekking durch verschieden Klimazonen in Ecuador

Der Lloa Mindo Trail in Ecuador: Trekking durch verschieden Klimazonen in Ecuador

Immer wieder öffnet sich nun der Pfad und man tritt unvermittelt auf Lichtungen, die einen atemberaubenden Blick auf den Nebelwald freigeben. Von allen Seiten gibt es ein wildes Vogelgeschrei, wenn man Glück hat, sieht man die buntesten Kandidaten der Vogelwelt an einem vorbeifliegen. Wir kämpfen uns vergeblich gegen die Zeit nur langsam vorwärts. Kaum 300 Meter vergehen, und man steht vor dem nächsten “Wasserrätsel”, das es zu lösen geht. Nicht jeder Tritt wird auch mit Trockenheit belohnt. Mit zunehmender Dauer stampfen wir einfach durch die Seenplatten und Matschfelder – am Himmel ziehen ziemlich schnell und deutlich bereits die ersten Regenwolken auf. Eines wird gut eine Stunde vor unserem heutigem Etappenziel allerdings schon jetzt klar: Weder werden wird es vor dem großen Regen zur Hacienda schaffen, noch ist noch irgendetwas unterhalb des Knies trocken. Egal. Wir stürmen durch einen flachen und breiten Teil, springen von Graswurzel zu Graswurzel (das ist nach dem Trial-and-Error-Verfahren ermittelte effektivste Methode, auf dem Gelände voranzukommen) und erreichen in einem heftigem Tropenschauer unser Nachtlager.

Die gut drei Stunden bis zur Dämmerung verbringen wir damit, die Zelte unter den schützenden Dächern der Hacienda aufzuschlagen und Schuhe und Kleidung in einer feuchten Umgebung zu trocken. Ich stelle die versuche nach ein paar Minuten ein, was jetzt feucht ist, wird auch feucht bleiben. Stattdessen widme ich mich nun meinem Hauptgegner: Den Myriadtentrillionen von Mosquitos, die sich scheinbar genauso auf ihr Abendbrot zu freuen scheinen, wie ich. Eine halbe Flasche “Rain Forest” Repell findet den Weg auf Kleidung und jede noch so kleine Hautfläche – zwecklos. Ich erinnere mich an die kleine Flasche Moskito-Schutz, die ich aus Nürnberg mitbekommen habe. Schon der Geruch und die Konsistenz macht klar: Das kann keinem Lebewesen auf diesem Planeten gefallen. Einmal aufgetragen ist Ruhe mit den Angriffen aus der Dunkelheit und ich entdecke den Rauch aus der gegenüberliegenden Arbeiterhütte. Marco und Carlos haben bereits das leckerste Drei-Gänge Menü des gesamten Regenwaldes gekocht. Müde und voll mit Bilder im Kopf ziehe ich um acht Uhr den Reißverschluss des Zeltes und höre dem Starkregen im Urwald zu, der mich nur fünf Minuten später einschlafen lässt.

Gut überacht und trocken: Unsere Hacienda im Nebelwald bei Mindo

Gut überacht und trocken: Unsere Hacienda im Nebelwald bei Mindo

Tag 2: Nach Mindo

Der Wecker klingelt um 6 Uhr in Form von circa 5.000 Vogelrufen. Ein einmaliges Erlebnis, inmitten dieser Natur aufzuwachen und den von Marco bereits aufgekochten Kaffee zu genießen. Unzählige Vogelarten machen Frühstückspause im Garten der Hacienda – was wir gestern noch in den Baumwipfeln suchen mussten, fliegt heute “freiwillig” in den Vorgarten ein. Das Vogelhandbuch kreist und wir entdecken immer buntere und seltenere Exemplare. Nach einem ausgiebigem Frühstück machen wir uns in die nassen Schuhe und auf den Weg nach Mindo. Die schwierigsten Passagen lagen wohl auf dem dem Track des ersten Tages, wir kommen gut voran und treffen im Nebelwald vereinzelte Farmer und Arbeiter, die sich in entgegengesetzter Richtung auf den Weg zur Arbeit machen. Je näher wir Mindo kommen, desto mehr Vogelarten und Schwärme an Vögeln können wir beobachten. Die Teiletappe von circa 4 Stunden vergeht wie im Flug – die zentral über uns stehende Sonne trocknet die Kleidung schnell und wir erreichen gegen Mittag den Forstweg gen Mindo. Hier war der Treffpunkt mit unserem Fahrer vereinbart, der aber steckt noch auf irgendeiner anderen Abzweigung im Matsch fest. Drei Waldarbeiter nehmen uns gut 10 Kilometer auf ihrem Pickup in Richtung Mindo mit und wir erreichen das kleine und ganz auf Touristen ausgerichtet Dorf am frühen Nachmittag.

Die Flora bei Mindo in Ecuador

Die Flora bei Mindo in Ecuador

Mindo: Hauptstadt der Kolibris

Mindo ist ein Dorf in der ecuadorianischen Provinz Pichinchabe, unterhalb des Vulkanes Guagua Pichincha auf etwa 1.250 Meter Meereshöhe gelegen. Der kleine, hübsche Ort ist liegt circa 2,5 Autostunden westlich von Quito, etwas abseits der Straße, die Quito über Calacalí mit Esmeraldas verbindet. Ein angenehmes ganzjähriges Klima, der bezaubernde Nebelwald und vor allem sein Vogel- und Schmetterlingsreichtum machen aus dem kleinen Ort ein beliebtes Reiseziel.

Der schmale Pfad hat viele Wanderer  - irgendwie arrangiert man sich mit allen Passanten

Der schmale Pfad hat viele Wanderer – irgendwie arrangiert man sich mit allen Passanten

Sehenswürdigkeiten in Mindo

  • Nambillo Wasserfall: ist zu Fuß in etwa einer Stunde von Mindo aus erreichbar. Der Wasserfall ist etwa 12 Meter hoch und beliebt für ein kühlendes Bad im Sommer
  • Das Casa de Mariposas (Haus der Schmetterlinge):  Etwa 50 Minuten Fußmarsch von Mindo entfernt. Hier kann man von unmittelbarer Nähe die bunte Vielfalt der Schmetterlinge beobachten
  • Birdwatching: Mindo ist bekannt für seine Vogelvielfalt, mehr als 500 verschiedene Arten können auf kleinstem Territorium beobachtet werden. Im Dorf gibt es qualifizierte Birdwatching-Guides, die Birding Touren in der IBA von Mindo anbieten. Im Tal von Mindo findet man auch einige endemische Vogelarten.
  • Schokoladenmanufaktur: Das Hostel El Quetzal bieten Touren durch seine Schokoladenmanufaktur an. Dabei wird der Herstellungsprozess von der frischen Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade erklärt. Teil der Tour ist eine Führung durch den biologischen Garten des Hostels sowie eine kleine Verköstigung

Fazit: Ecuador Reisen – Trekking im Nationalpark

Trekking gehörte bislang nicht zu meinen favorisierten Outdoor-Aktivitäten, bislang. Die zwei Tage durch das “Schutzgebiet Nambillo Mindo Reserve” haben meine Sicht auf diese Form Sport deutlich verändert. Allein mit sich, der Natur, gemeinsam mit Marco und Carlos in einer atemberaubenden Natur unterwegs zu sein, und einen Teil der Schönheit der Flora und Fauna der Region kennen gelernt zu haben, haben nicht nur Spaß gemacht, sondern Lust auf mehr. Der Lloa-Mindo-Trail bietet einem die Gelegenheit, eine von vier Welten Ecuadors kennen zu lernen. Die grüne und bunte Welt des Regen- und Nebelwaldes in Ecuador. Eine Trekking Tour im Regenwald gehört als auf die Agenda zum Thema “Ecuador Reisen”.

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Ecuador bietet Naturfreunden eine große Auswahl Routen, was es zu einem tollen Reiseziel für Abenteuer wie Wandern und Trekking macht. Der Lloa-Mindo Trail ist eine großartige Wanderroute, die Sie von den hochgelegenen feuchten Andenwäldern in die immer grünen Regenwälder führt. Der Trek beginnt auf einer Höhe von 3000m und verläuft hauptsächlich bergab bis auf 1200m. Die Temperaturen in dieser Region schwanken das ganze Jahr über zwischen 15 und 25°C.

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1 Kommentar

  1. …dass du erst nach einer halben Flasche “Rain-Forest-Repellant” an das DEET denkst – tsssss ;-)
    Liebe Grüße aus Nürnberg

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