Das Markgräferland – malerische Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Rhein

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Markgräferland

Blick auf Ballrechten-Dottingen im Markgräferland (c) 2014 Werbegemeinschaft Markgräflerland

Das Markgräferland – malerische Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Rhein

Wandern im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Schweiz – das Markgräferland

Das Markgräflerland mit seinem hervorragend ausgebauten Wegenetz gilt als Paradies für Wanderer und Radfahrer. Es sind aber nicht nur die malerische Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Rhein und die schönen Aussichten ins Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz, die dem Urlauber nachhaltig in Erinnerung bleiben. Denn bei den Touren durch die Region lassen sich einige kunstgeschichtliche Kleinode am Wegesrand entdecken.

Insbesondere das Dreieck im Süden zwischen den Gemeinden Bad Bellingen, Efringen-Kirchen und Kandern mit ihren Teilorten hält für seine Besucher Überraschendes und auch manchmal Rätselhaftes bereit. Dazu gehören die vielen kleinen ausgemalten Kirchen mit einer teilweise mehr als 1000-jährigen Geschichte. Leider hinterließen Glaubenskämpfe und die Reformation ihre Spuren. So wurden viele der künstlerisch wertvollen Wandbemalungen nach 1550 in den protestantischen Gemeinden mit einem weißen Putz überzogen und gerieten lange in Vergessenheit. Erst als in jüngerer Zeit Renovierungen anstanden, wurden die kunstgeschichtlichen Schätze neu entdeckt und freigelegt.

Markgräferland Wandern

Markgräferland Wandern: 1000 Jahre Kulturgeschichte (c) 2014 Werbegemeinschaft Markgräflerland

Das Markgräferland: 1000 Jahre Kulturgeschichte

Ein typisches Beispiel dafür ist die Kirche St. Peter in Blansingen südlich des Kur- und Wellnesszentrums Bad Bellingen. Sie zählt zu den schönsten Zeugnissen mittelalterlicher Kunst am Oberrhein. Schon ihre Lage ist Kunsthistorikern und Archäologen ein Rätsel: Denn die Kirche mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert ist nicht im Dorfkern gebaut worden, sondern rund zwei Kilometer außerhalb – ohne dass man die Gründe dafür herausgefunden hat. Die in Secco-Technik auf trockenem Putz bemalten Wände zeigen Motive aus der Passionsgeschichte sowie der Apostelgeschichte. Für die Gestaltung des Altarkreises benutzten die Erbauer ein mineralisches Gestein, das im Markgräflerland früher in Bergwerken abgebaut wurde: den Jaspis. Blansingen lockt aber nicht nur wegen des Gotteshauses. Im Ortskern befindet sich mit dem Hotel und Restaurant »Traube« ein Aushängeschild der Markgräfler Küche, das sich mit einem Michelin-Stern schmücken darf.

Weitere bemerkenswerte Kirchen mit teilweise schön erhaltenen Wandbemalungen befinden sich in Bad Bellingen, Tannenkirch, Mappach und Schallbach. Lohnend ist auch ein Besuch der Kirche in Riedlingen, die ein für das Markgräflerland typisches Heiliges Grab mit Sakramentsschrein, Grabesnische und die Wappen der Markgrafen enthält. Ein Blickfang im Ortskern sind auch die alten Bauernhäuser, die sich um die Kirche scharen. Von dort empfiehlt sich ein Abstecher ins Storchengehege im benachbarten Holzen. Es entstand 1977, nachdem das letzte Storchenpaar nicht mehr aus dem Winterquartier aus Afrika zurückgekommen war.

Die Reize der Natur, die Geschichte des Markgräflerland sowie idyllisch gelegene kleine Orte verbindet auch die Alte Römerstraße entlang des Streckenabschnitts von Bad Bellingen nach Efringen-Kirchen, ein Zentrum des Weinanbaus in der Region. Ein besonderes Beispiel für die typische Gestaltung der Ortskerne ist der in der Nähe des Altrheins gelegene Ortsteil Istein. Seit 1974 steht das gesamte Zentrum unter Denkmalschutz. Zum historischen Ensemble gehören alte Fachwerkhäuser wie die Arche aus dem Jahr 1553, in dessen Untergeschoss früher die flachen Boote der Rheinfischer im Winter abgestellt wurden. Mit dem Isteiner Klotz gibt es ferner einen weiteren markanten Anziehungspunkt. Dieser Felsvorsprung am nahen Altrhein, auf dem noch heute die historischen Hochwassermarken zu sehen sind, ist nicht nur wegen seiner imposanten Aussicht aufs Dreiländereck mit dem Schweizer Jura und den Vogesen im Elsass einen Ausflug wert, sondern auch wegen der Vituskapelle, die vor rund 1100 Jahren in den Felsen gebaut wurde.

Darüber hinaus finden sich hier viele Spuren einer frühzeitlichen Besiedlung in unmittelbarer Nähe des Rheins. Auch das steinzeitliche Bergwerk im Ortsteil Kleinkems gehört dazu, in dem schon vor 5500 Jahren der Markgräfler Jaspis zutage gefördert wurde. Es ist derzeit zwar nicht zugänglich, aber die Fundstücke und ein Modell des Bergwerkes können im »Museum in der Alten Schule« in Efringen-Kirchen besichtigt werden. In Efringen-Kirchen kommen schließlich die Weinliebhaber zum Zuge – nicht nur beim Weinkauf. Denn für Wein- und Wanderfreunde hat die Gemeinde den »Panoramaweg Schafberg« durch die bekannte Weinlage Efringer Ölberg angelegt. Er verbindet die schöne Aussicht auf eine vom Weinbau geprägte Kulturlandschaft mit kompakten Informationen zum Weinbau und zur Arbeit der Winzer in der Region.

Wandern Markgräferland

Wandern Markgräferland: Blick auf Auggen (c) 2014 Werbegemeinschaft Markgräflerland

Wandern im Markgräferland: Der Markgräfler Wiiwegli

Der Wein und die Rebberge prägen das breite Netz markierter Wanderwege sowie Wein- und Waldlehrpfade durch die Hügel- und Wiesenlandschaft der Region. Als Beigabe gibt es schöne Panoramaaussichten in die elsässischen Vogesen und den Schweizer Jura. Ein Klassiker unter den Wanderwegen ist das „Markgräfler Wiiwegli“, das von Freiburg bis Weil am Rhein auf einer 77 Kilometer langen Strecke von Winzerdorf zu Winzerdorf führt und im vergangenen Jahr mit dem „Artvinum Award“ ausgezeichnet wurde. Unterwegs können sich die Wanderer dabei in gemütlichen Straußenwirtschaften und Gaststuben oder an Rastplätzen am Wegesrand stärken.

Beim Start von Weil am Rhein im Süden aus gelangen Wanderer auf dem Wiiwegli (hochdeutsch: Weinweglein) besonders schnell ins Herz des Markgräflerland, das geprägt ist durch sanfte Rebhänge, bunte Laubwälder und Streuobstwiesen. Die Ausschilderung des Wiiweglis mit der gelben Traube vor roter Raute sorgt für eine eindeutige Markierung der Wegstrecke. Erster Höhepunkt ist der Aufstieg auf den Tüllinger Berg. Von dort erschließt sich ein weiter Rundblick auf Basel und dem dahinterliegenden Schweizer Jura sowie auf die Burgundische Pforte und die Vogesen. Auf der weiteren Wegstrecke in Richtung Bad Bellingen gibt es in idyllischen kleinen Dörfern die für die Region typischen schlichten Kirchen mit ihren Wandmalereien aus der mittelalterlichen Zeit zu entdecken. Ein solches Kleinod ist die Peterskirche in Blansingen aus dem 15. Jahrhundert, deren gut erhaltene Wandbilder zu den schönsten Zeugnissen mittelalterlicher Kunst am Oberrhein zählen.

Bedeutende Weinbaugeschichte wurde in Bad Bellingen geschrieben, wo bereits im Hochmittelalter Wein angebaut wurde. Um das Jahr 1150 verfügte das damals ansässige Kloster Muri die älteste deutsche Rebordnung, die den Winzern erlaubte, ein Sechstel ihres Traubenmostes selbst zu behalten. Das Original ist heute im Oberrheinischen Bäder- und Heimatmuseum im Ortsteil Bamlach zu sehen. Bad Bellingen ist auch deswegen ein ideales Etappenziel, weil der Wanderer seine ermüdeten Beine bei einer Massage oder einem entspannenden Thermenbad in den Balinea-Thermen wieder auf Trab bringen kann.

Die zweite Tagestour im südlichen Markgräflerland führt durch die bekanntesten Weinlagen der Region, darunter das Schliengener Sonnenstück und der Auggener Schäf, nach Müllheim. Unterwegs können wissensdurstige Wanderer entlang des integrierten Weinlehrpfades ihr Wissen über die verschiedenen Rebsorten und die Weinherstellung der Region mit rund 3.000 Hektar Anbaufläche aufbessern. Und
wer es besonders genau wissen will, kann um diese Jahreszeit auch Abstecher zur Lese in die Weinberge machen. In Müllheim, dem Zentrum des Markgräflerlands und Ziel der Tagesetappe, gibt die Touristik-Information (Tel. + 49 7631.801 500) gerne Auskunft über Winzer, bei denen man beim „Herbschten“, wie die Weinlese auf alemannisch genannt wird, mithelfen kann.

Mühlheim Markgräferland

Mühlheim Markgräferland (c) 2014 Werbegemeinschaft Markgräflerland

Entdeckungstouren in Müllheim

Eine willkommene Abwechslung zum Wandern auf dem Wiiwegli ist auch ein Besuch der Weinstadt Müllheim, wo es vieles zu erkunden gibt wie etwa das Markgräfler Museum im Blankenhorn Palais. Das bedeutendste Regionalmuseum zwischen Freiburg und Basel zeigt Ausstellungen zu Archäologie, Geologie, Kunst und Geschichte am südlichen Oberrhein. Im historischen Weinkeller erlebt man anschaulich die Geschichte des Weinbaus im Markgräflerland und erfährt vieles über den in Müllheim geborenen Weinbaupionier Adolph Blankenhorn (1843 – 1906). Er war erster Önologie-Professor in Deutschland und Gründer des deutschen Weinbauverbandes. Wie sehr seine Familie die Entwicklung der Stadt seit dem 17. Jahrhundert geprägt hat, erfährt man bei einer Führung auf den Spuren der Familie Blankenhorn, die am 14. und 12. Oktober jeweils um 16 Uhr angeboten wird. Die Tour führt zu ehemaligen Weingütern, Stadtvillen und an blühenden Gärten vorbei.

Nicht nur in Müllheim, sondern auch entlang des Wiiweglis gibt es zudem Einkehrmöglichkeiten zur Genüge. Zahlreiche Weingüter und Winzergenossenschaften laden zur Weinverkostung ein. Regionale bodenständige Gerichte werden insbesondere in den Straußenwirtschaften gereicht wie etwa in der Straußi in Weil am Rhein, in Männlins Straussi in Bad Bellingen, in Zimmermanns Weinschenke in Schliengen und im Wein- und Obsthof Rüdlin in Auggen. Sie bieten typisch badische Spezialitäten an wie etwa „Schäufele mit Brägele“ (Schweineschulter mit Bratkartoffeln), „Bibiliskäs“, (quarkähnlicher Frischkäse), und im Herbst natürlich „Zwiebelwaie“ (Zwiebelkuchen) mit dem süffigen „Fäderwisser“ (neuer süßer Wein).

Video Markgräferland

Bilder Markgräferland

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Im äußersten Südwesten Deutschlands, zwischen dem Rhein und Schwarzwaldhöhen, breitet sich das klimatisch begünstigte und durch Obst und Weinbau geprägte Markgräflerland aus. Hier blühen aber auch Oleander und Hibiskus und besonders die Weintrauben scheinen das Land zu lieben. Und ganz nebenbei gibt es hier im äußersten Südwesten Deutschlands eine Badekultur, deren Tradition sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen lässt. Das Markgräflerland schließt heute südlich an den Großraum Freiburg und dem Breisgau an und reicht südwärts bis zum Rheinknie bei Basel. Früher, als das Markgräglerland noch einen selbstständigen herrschaftlichen Raum bildete, verliefen die Grenzen anderes. Hauptort des Markgräflerlandes ist die Stadt Müllheim. Weitere größere Orte sind Auggen, Lörrach, Bad Bellingen, Malsburg-Marzell, Ballrechten, Maulburg, Badenweiler, Binzen, Buggingen, Neuenweg, Efringen-Kirchen, Schliengen, Eimeldingen, Steinen, Hausen, Sulzburg, Hasel, Tegernau, Heitersheim, Weil am Rhein, Inzlingen, Wieslet, Kandern und Wembach.

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