Dolomiten Klettern – ein perfektes Wochenende im Sellagebiet

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Klettern Dolomiten: Ein perfektes Wochenende im Sellagebiet

Klettern Dolomiten: Ein perfektes Wochenende im Sellagebiet

Dolomiten Klettern im Sellagebiet im Grödener Tal

Ein perfektes Wochenende in den Südtiroler Dolomiten

Das Grödner Tal, auch als Val Gardena bekannt, ist ein circa 25 Kilometer langer Seitenarm des Eisacktals und befindet sich im Nordwesten der Südtiroler Dolomiten. Nacheinander passiert man die drei Hauptorte St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein, die gleichzeitig Ausgangspunkte zur zahlreichen Wanderungen und Biketouren sind. Hier findet man auch Unterkünfte aller Art, vom 4 Sterne Hotel bis zum günstigen Wohnmobil-Stellplatz. In Gröden kann man sich gleich auf drei Sprachen verständigen: neben Deutsch und Italienisch ist hier auch noch das Ladinische sehr weit verbreitet, ein romanischer Dialekt, der noch in mehreren italienischen Alpentälern gesprochen wird. Von Waidbruck schlängelt sich das Tal bis Wolkenstein, dann geht’s hinauf bis zu den Passübergängen des Grödner- und des Sellajochs. (2.136 Meter und 2.244 Meter). Hier wimmelt es nur so von Mountainbikern, Rennradlern, Motorrad – und Wohnmobilfahrern, die alle kreuz und quer parken, die schmale Passstraße verstopfen und ihre Fotoapparate zücken. Der Trubel ist nachvollziehbar: zu schön ist doch der Blick vom Sellajoch. Auf der einen Seite ragt der höchste Berg der Dolomiten, die 3.342 Meter hohe Marmolada, mit ihrem schneebedeckten Gipfel auf. Auf der anderen Seite hat man einen überwältigenden Blick auf das Dreigestirn Grohmannspitze, Langkofel und Fünffingerspitze, die es mit den Drei Zinnen locker aufnehmen können. Sowohl die Sellagruppe als auch weitere Teile der Dolomiten zählen seit 2009 zum UNESCO Weltkulturerbe: Ein Naturparadies und gleichzeitig Traumziel von Wanderern, Mountainbikern und Kletterern.

Dolomiten Klettern

In den Dolomiten wurde gleich mehrfach Alpingeschichte geschrieben. Die europäische Kletterwelt blickte in den 1920er und 1930er Jahren auf Norditalien, wo sich die größten Bergsteiger der Zeit die Klinke in die Hand gaben. 1925 schaffte Emil Solleder es als erster Mensch, eine Route im 6. Grad zu klettern, und das nicht an irgendeinem niedrigen Felsblock, sondern an der imposanten Civetta Nordwestwand. Einen weiteren Meilenstern setzten 1933 Emilio Comici und die Gebrüder Dimai an der Nordwand der Großen Zinne, die damals sicherlich schwerste Tour der Welt. Sie wird, frei geklettert, heute mit einer glatten 7 bewertet. 1937 wiederholte Comici diese Route, die seinen Namen trägt, in einer Solobesteigung. Die Comiciführe gilt noch heute als einer der berühmtesten Touren der Dolomiten.
Auch später zogen berühmte Südtiroler Bergsteiger wie die Messner-Brüder und Hans Kammerlander mit aufsehenerregenden Klettereien immer wieder die Aufmerksamkeit der Alpinszene auf die Dolomiten, wo sie das Klettern lernten– eine gute Schule für die großen Wände dieser Welt. Auch im Sellagebiet waren sie und ihr berühmter Kollege Luis Trenker aktiv und erschlossen dort mehrere Routen. Viele von ihnen zählen immer noch zu beliebten Kletter-Klassikern, die ihren alpinen Charakter behalten haben: Solide, zuverlässige Bohrhaken-Absicherungen sucht man hier vergeblich. Auch wenn man leichtere Touren anvisiert, dürfen Rebschnüre, Klemmgeräte und – keile am Gurt sowie ein wenig alpine Erfahrung in den Knochen nicht fehlen. Dann aber gibt es für jeden Klettergeschmack die richtige Route, ob im III. oder VII. Grad.

Traumrevier Dolomiten

Traumrevier Dolomiten: Ob Klettersteige oder alpines Klettern – die Dolomiten sind berühmt für Schwierigkeitsgrade in Kombination mit Traumgipfeln

Ein perfektes Wochenende: Klettern im Sellagebiet

Macht das Wetter nördlich der Alpen mal wieder nicht mit, lohnt sich oft die Fahrt über den Brenner. Kurz nach Klausen biegt man ein ins Grödner Tal und fährt bis zum Sellapass. Perfektes Einstiegsprogramm für den Anreisetag: Sportklettern oder Bouldern in der Steinernen Stadt kurz vor dem Sellapass zu Füßen des Langkofels. Dieser Klettergarten, bestehend aus zahlreichen größeren und kleineren Felsblöcken, ist das Resultat eines gewaltigen Felssturzes. Insgesamt gibt es circa 150 Routen aller Schwierigkeitsgrade. Hier findet man auch für mehrere Tage genügend lohnende Routen vor spektakulärer Kulisse. Davor, dazwischen oder danach bietet sich eine Stärkung in der gemütlichen Sellahütte an, die sich nicht weit weg vom Klettergebiet befindet und von der man direkt auf die gewaltigen Nordwände der Sellatürme und auf die Fünffingerspitze blickt.
Alpinkletterer hingegen haben die Qual der Wahl – zu groß ist die Vielfalt schon alleine im Gebiet rund um das Sellajoch. Konzentriert man sich aber auf den IV. und V. Grad, wird die Auswahl übersichtlicher. Empfehlenswert gerade für Dolomiten-Einsteiger ist die „Rossi-Tomasi-Führe“ (IV obl.) in der Ciavazes Südwestwand. Der Zustieg ist mit ca. 20 Minuten kurz und der Einstieg gut zu erkennen. Man parkt entweder am Sellajoch östlich des Gasthauses Maria Flora und folgt einem gut sichtbaren Pfad an den Sellatürmen vorbei bis zur Südwestwand. Oder aber man fährt vom Sellajoch noch einige Kehren hinunter Richtung Canazei und stellt seinen Wagen neben der Straße in den gekennzeichneten Parkbuchten ab, von wo die Route im linken Wandteil bereits deutlich zu erkennen ist. Der Einstieg befindet sich in der ersten, großen Schlucht. Die Orientierung in der Route ist nicht allzu schwer, auch weil sich gerade am Wochenende immer andere Seilschaften in der sehr beliebten Route tummeln. Man sollte also nicht zu spät einsteigen, um nicht im Standplatz-Stau zu hängen. Dennoch ist die 8 Seillängen umfassende Tour nicht zu unterschätzen und ein gutes Topo ist hier Gold wert. Die Standplätze sind mit soliden zementierten Ringhaken, die Route lediglich mit einigen teilweise rostigen Normalhaken ausgestattet. Die Tour verläuft im weitgehend festen Fels im dritten und vierten Schwierigkeitsgrad. Sie ist sehr abwechslungsreich und kombiniert steile Wandkletterei mit schönen Verschneidungen und einem Quergang mit großen Griffen. Schlüsselseillänge ist ein steiler Riss mit 5 Normalhaken auf 40 Metern, in dem sich aber Friends gut platzieren lassen. Auch die letzte Seillänge, die Kaminverschneidung, ist ein wahrer Genuss. Insgesamt eine wunderschöne, logische und nicht zu schwierige Linie für den Saisonanfang oder für Einsteiger, die aber schon echtes „Dolomiten-Feeling“ bietet: steil, teilweise ausgesetzt und nur spärlich und schlecht abgesichert. Daher sollte man entweder das Legen von Friends und Keilen beherrschen oder eine gesunde Psyche mitbringen.

Oben am Ausstieg kann man es sich am breiten Gamsband gemütlich machen, die Brotzeit auspacken und den Blick in die Dolomiten genießen. Ein wenig Kraft sollte man sich für den Abstieg noch aufheben:  Am Gamsband folgt man links dem Sicherungsseil, schlüpft unter einem Felsloch durch und setzt den Weg auf dem Pfad bis zu einem Kamin fort, den man abklettert (2+) oder abseilt (Abseilstelle vorhanden). Dann folgt man den Steigspuren bis zu einer Sanduhrschlinge, an der man wiederum abseilt. Dann immer rechts haltend absteigen, zuletzt abklettern (2+) oder zum Wandfuß abseilen (ca. 1 h)

Dolomiten Klettern: Routen-Info

Erstbegeher: B. Rossi und A. Tomasi 1945
Klettermeter: 285m
Expositopn: SÜd
Seillängen: 8
Ausrüstung: NAA
Versicherungen: An den Standplätzen einzementierte Ringhaken, zwischendurch einige Normalhaken
Dauer: 2-3 Stunden
Topo: siehe Bildgalerie

 

Auf der rechten Wandseite befindet sich noch eine weitere sehr empfehlenswerte Tour, die Kleine Micheluzzi (V- obl.) , die ein wenig schwieriger als die Rossi Tomasi bewertet ist. Hier sollte man auf jeden Fall an der Straße parken, dann dauert der Zustieg nur zehn Minuten. Einstieg ist am tiefsten Punkt der Wand. Sie ist steiler und ausgesetzter als die Rossi Tomasi Führe und weist zwei Seillängen mehr auf. Die Felsqualität ist auch hier tadellos – von dem berühmt-berüchtigten „Dolomiten-Schutt“ ist hier Gott sein Dank nichts zu spüren. Ab der 5. Seillänge bewegt sich die Tour anhaltend im Grad IV, kurze Stelle IV+. Herrlich ausgesetzte Kletterei mit tollem Panorama auf Sass Pordoi und Marmolada. Der Ausstieg ist ein Stück weiter rechts als die Rossi-Tomasi-Führe, der Abstieg gleich. (LH)

Dolomiten Klettern: Routen-Info

Erstbegeher: Luigi Micheluzzi, Piero Slocovich, 1928
Klettermeter: 350 Meter
Exposition: Süd
Seillänge: 10
Ausrüstung: NAA
Versicherungen: An den Standplätzen einzementierte Ringhaken, zwischendurch einige Normalhaken
Dauer: Ca. 3 Stunden
Topo: siehe Bildgalerie

Literaturtipp: Dolomiten Klettern

Klettern in Gröden und Umgebung von Mauro Bernardi

Der Artikel ist als Gastartikel von Lena Helmreich erschienen. Lena ist fast jedes Wochenende zum Klettern, Mountainbiken oder Skibergsteigen in den bayrischen Voralpen, Tirol und Südtirol unterwegs. Weitere Liebling-Reviere sind die schweizerischen und französischen Alpenregionen.

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