Interview mit Michael Ruhland, Chefredakteur Bergsteiger Magazin, zum Jubiläum

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Cover der Jubiläumsausgabe zum 80-jährigen Bestehen des BERGSTEIGER

Cover der Jubiläumsausgabe zum 80-jährigen Bestehen des BERGSTEIGER


Der BERGSTEIGER wird 80 Jahre

Die älteste Bergsteiger-Zeitschrift zum Thema Bergwandern, Klettersteige und Alpinismus

Seit nun 80 Jahren gibt es den BERGSTEIGER – Hike+Bike gratuliert zum Jubiläum und ist mit diesem Dienstjubiläum die älteste kommerzielle Bergsteiger-Zeitschrift der Welt. Als Zielgruppe adressiert der BERGSTEIGER heute freilich nicht nur die Extrembergsteiger. Als eines der größten Bergsport-Magazine in Europa richtet sich das Magazin an alle engagierten Bergfreunde. Wir haben zum Geburtstag mit Michael Ruhland, Chefredakteur des BERGSTEIGER Magazin über sein Heft, seine Kuriositäten und, ob er auch privat seinen Urlaub in den Bergen verbringt, gesprochen.

Interview mit Michael Ruhland, Chefredakteur Bergsteiger, zum 80-jährigen Jubiläum

Der diplomierte Geograf, Jahrgang 1965, war zunächst in der Stadt-und Regionalplanung tätig, und begann seine journalistische Laufbahn 1993 beim Münchner Merkur, wechselte noch im gleichen Jahr zur Süddeutschen Zeitung. Dort war er in unterschiedlichen Funktionen tätig, unter anderem als Redaktionsleiter in Bad Tölz, als Chef vom Dienst und stellvertretender Ressortchef im München-Teil, zuletzt als Teamleiter des „Thema des Tages“.

Im April 2012 wechselte Michael Ruhland zum Bruckmann Verlag als Chefredakteur des BERGSTEIGER. Weiterhin ist er Buchautor, unterrichte an der Akademie der Bayerischen Presse in München und moderiert regelmäßig Veranstaltungen im Bereich Politik, Kultur, Berge.

 

Zum 80-jährigen Jubiläum vom BERGSTEIGER haben wir mit Michael Ruhland gesprochen

Zum 80-jährigen Jubiläum vom BERGSTEIGER haben wir mit Michael Ruhland gesprochen

 

Herr Ruhland, „Der Bergsteiger“ feiert 80-Jähriges! Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erfolg und der langen Geschichte des Magazins. Gibt es noch die erste Ausgabe – womit fing alles an?

Alles fing schon im Oktober 1930 an. Damals holte Alfred Bruckmann, Leiter des 1958 gegründeten gleichnamigen Verlags, den BERGSTEIGER von Wien nach München. Einst Vereinsnachrichten des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, wurde der BERGSTEIGER dadurch zum ersten kommerziellen Bergsportmagazin der Welt. Von 1945 bis 1948 gab es eine dreijährige Zwangspause – leider hatte auch der BERGSTEIGER in seiner Anfangszeit braune Flecken. Nach dem Krieg begann das Magazin unter neuer Führung und entwickelte sich schnell zum führenden Magazin in der Bergsteigerszene. Wir feiern wegen der dreijährigen Karenzzeit in diesem Herbst den 80. Jahrgang des BERGSTEIGER.

Das erste Heft liegt im Original nicht mehr vor, es gibt aber eine gebundene Fassung des 1. Jahrgangs. Eine Auswahl der ersten Geschichten haben wir der aktuellen Jubiläumsausgabe als Reprint beigelegt. Darunter ist zum Beispiel ein hochinteressanter Aufsatz von Luis Trenker, der seine Anwärterschaft als Bergführer beschreibt sowie ein Bericht von Julius Gallhuber über die Wände der Dolomiten und „gelöste Probleme“.

Der erste Ausgabe 1930 hatte sicher noch ein anderes Zielpublikum als heute. An welche Zielgruppe richtet sich der heutige Bergsteiger?

Die Zielgruppe sind nicht mehr nur die extremen Kletterer und Alpinisten wie in den Anfangsjahren des BERGSTEIGER. Wir sprechen all diejenigen an, die die Berge lieben, sie nicht als Eventarena (miss-)verstehen, sich gerne in ihnen bewegen und dazu ihre Füße (und ab und an auch die Hände) benutzen. Uns geht es neben der Inspiration für tolle Touren darum, den Lesern Hintergründe aufzuzeigen, ihnen den Natur- und Kulturraum „Berge“ nahe zu bringen, sie gut zu informieren, zu unterhalten und ab und an auch zu überraschen.

In 80 Jahren und bei einer monatlichen Erscheinungsweise sind unzählige Artikel und Berichte rund um das Thema Berge erschienen. Wie hat sich das Heftkonzept in den Jahren verändert – Stichwort Nachhaltigkeit oder Naturschutz?

Es ist ein Faktum, dass der Klimawandel gerade die Bergwelt stark betrifft. Die Temperaturen steigen dort im Vergleich zum Flachland noch schneller an, mit gravierenden Folgen. Gerade das Auftauen des Permafrostbodens bedeutet für Hochgebirgsregionen die Gefahr von Bergstürzen, Wetterextreme wie starker Regen, Schneefall oder auch längere Trockenphasen führen zu jetzt schon nachweisbar steigenden Naturkatastrophen. Insofern ist es uns ein besonderes Anliegen, auf die Gefahren hinzuweisen, jedem Bergsteiger die eigene Verantwortung deutlich zu machen und aufzuzeigen, dass jeder Einzelne im Kleinen auch seinen Beitrag leisten kann, z.B. indem er öfter die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Im Heft spiegelt sich das Thema in verschiedener Weise wider: Wir informieren im Aktuellteil über das Thema „Umwelt und Nachhaltigkeit“ in der Regel auf zwei redaktionellen Seiten. Im Heft 09/12 hatten wir als Titelgeschichte „Gletscher in Gefahr“ gewählt, eine Reportage über das Abschmelzen und die Folgen für die Bergwelt. Solche Themen werden wir immer wieder aufwerfen, das gehört zu unserer Verantwortung als Bergsportmagazin.

In eigenen Worten – was findet der Leser heute bei Ihnen im Magazin, wenn er am Kiosk den Bergsteiger kauft?

Er findet, davon bin ich überzeugt,  eine gelungene Mischung aus Regionsporträts, Reportagen über Touren, Interviews, Porträts von Persönlichkeiten der Bergwelt sowie eine Reihe von Servicethemen. Laut der jüngsten Leserumfrage (Juli 2013) beträgt die durchschnittliche Lesedauer mehr als drei Stunden, sie hat sich gegenüber der letzten Umfrage vor drei Jahren nahezu verdoppelt. Das bestätigt mich in dem Kurs, den ich vor zwei Jahren, als ich zum BERGSTEIGER kam, eingeschlagen habe: Mehr Reportagen, Hintergrundberichte, Porträts und Interviews sollten den Lesewert steigern.

In der langen Geschichte des Magazins gibt es sicher jeder Menge Kuriositäten und Außerplanmäßiges. Verraten Sie uns eine davon?

Gerade heute hat mich eine betagte Leserin angerufen, deren längst verstorbener Mann vor 35 Jahren einen Artikel im BERGSTEIGER entdeckt hatte, bei dem es um 360-Grad-Panoramen der Kreuzspitze ging. Sie erzählte mir die Hintergründe, warum sie jetzt gerade das Archiv ihres Mannes Stück für Stück aufarbeite und warum sie den Artikel von damals dringend brauche. Natürlich werden wir im Archiv forschen und ihr nach Möglichkeit das gesuchte Stück in Kopie zuschicken. Das sind ganz alltägliche Geschichten, zwar außerplanmäßig und manchmal zeitraubend. Aber irgendwie stimmen sie einen optimistisch. Denn die Begeisterung für die Berge, einmal entfacht, nimmt zum Glück nie wirklich ab.

Sie selbst befassen sich quasi täglich mit Bergen – zumindest redaktionell. Wo verbringen Sie ihren Urlaub? An der See oder dann doch in der Nähe eines Gipfelkreuzes

Ich verbringe meinen Urlaub tatsächlich fast ausschließlich in den Bergen, meine Lieblingsgebiete sind die bayerischen Alpen, das Piemont und Südtirol/Trentino. Was als Chefredakteur schwierig ist: Zeit für die Weltberge zu erübrigen. Ich würde gerne mal wieder nach Peru in die Cordillera Blanca. Dort war ich vor zehn Jahren zum letzten Mal. Außerdem würden mich die südlichen Anden, also Chile, reizen.

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